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news Stuttgart 18.08.1997



Friedrich-Ebert-Wohnhof auf dem Killesberg

Stolz auf eine zuerst umstrittene Fassade

Gesamtanlage für 7,2 Millionen Mark renoviert - Denkmalpfleger mit dem Ergebnis ebenfalls zufrieden

Vom Relief an einer Säule der Hofeinfahrt blickt wohlwollend der Namensgeber, der ehemalige Reichspräsident und Sozialdemokrat Friedrich Ebert. Der Friedrich-Ebert-Wohnhof am Hölzelweg ist vor 70 Jahren nach den Plänen des Architekten und damaligen SPD-Stadtrats Karl Beer gebaut worden. Direkt neben dem berühmteren und gleichaltrigen Architekturdenkmal Weißenhofsiedlung strahlt die Gesamtanlage nun in neuem altem Glanz.

7,2 Millionen Mark hat sich der genossenschaftliche Bau- und Heimstättenverein Stuttgart die Sanierung nach den Plänen des Stuttgarter Architekturbüros Kopper-Schenkel kosten lassen. Der finanzielle Einsatz hat sich gelohnt, findet nicht nur Hauptkonservator Wolfgang Mayer: ,,Eine Bereicherung für die gesamte Baudenkmalpflege Stuttgarts.''

Sichtbar ist die Sanierung an den vier roten Farbbändern, die auf Fensterhöhe eines jeden Stockwerks dem Gebäude ein charakteristisches Aussehen geben - in Anlehnung an das 1927 eingeweihte Original. Auch wenn diese Fassadengestaltung bei den Bewohnern anfangs umstritten war, ,,wird das nun akzeptiert und mit Stolz gesehen'', sagt Jürgen Melzer, Vorstandsvorsitzender des Bau- und Heimstättenvereins. Der Farbtupfer der Fassade war freilich nur ein Teil der Sanierung. Die Dächer und die nach dem Krieg 1951 hinzugekommenen und als ,,neuer Bestandteil'' farblos gebliebenen Dachgeschosse, die Treppenhäuser, Sprossenfenster, Balkone und Simse, das technische Innenleben und die Außenanlagen gehörten zum Modernisierungsprogramm, das seit 1995 verwirklicht wurde und ,,unseren Mietern viel Verständnis'' abverlangte, wie Melzer weiß. Neu getreu den alten Plänen ist auch die Lichtraupe am Turmwohnhaus, das eines der ersten dieser Art in Stuttgart war. ,,Uns war es wichtig zu zeigen, wie man mit einem Denkmal umgehen kann'', sagt Architekt Hartmut Kopper. Für Mayer ist das Ergebnis eine ,,vorzeigenswerte Lösung'', in der heutige bauphysikalische Erfordernisse (Wärmedämmung, Schallschutz) mit den Anforderungen des Denkmalschutzes in Einklang gebracht wurden.

Stolz bezeichnet Melzer den Wohnhof denn auch als ,, Aushängeschild unserer Genossenschaft''. Vom Turm weht die Genossenschaftsflagge. Und an den Gittertoren am Eingang steht nicht nur ,,Fröhlich lebe, aufwärts strebe'', sondern auch wieder Bau- und Heimstättenverein, was von den Nazis beseitigt worden war. Die Mieter der 87 Wohnungen müssen zwar 2,20 Mark pro Quadratmeter mehr bezahlen, die Durchschnittsmiete liege mit 8,51 Mark aber deutlich unter der Vergleichsmiete des Mietspiegels von 9,80 Mark, sagt Melzer.

Zu dem Komplex zählt auch die ehemalige Gaststätte Schönblick, die heute der IG Metall gehört und nicht in die Sanierung eingeschlossen war. Für Mayer zeigt die Gestaltung der gesamten Bautrakts auch die Position des Architekten Beer: Die fünfgeschossigen Mietshäuser seien der traditionellen ,,Stuttgarter Schule'' verbunden, der achtstöckige Wohnturm und der Restauranttrakt der modernen Architektur des Bauhauses. ,,Der Wohnhof'', so Mayer, ,,ist für jeden architekturinteressierten Besucher der Weißenhofsiedlung eine Attraktion.'' Heute, rot umringelt, sogar noch mehr als bisher. dud


© 1997 Stuttgarter Zeitung, Germany

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