Stuttgarter
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REGION STUTTGART 23.5.1998

 

Kelten-Handwerker: Weltklasse

Hochdorfer Sonderausstellung über neueste Funde

Haben Schwaben ihre Tüftler-Fähigkeiten von keltischen Vorfahren geerbt? Fast sollte man es meinen. Denn vor 2500 Jahren waren formschöne Tonschalen, raffinierte Textilien oder solide Schwerter aus Hochdorf Weltklasse. Das hatte sich bis zu griechischen Händlern herumgesprochen, die oft und gern auf ihren Reisen an die Enz kamen und wertvolle Gastgeschenke mitbrachten, wie man spätestens seit der Entdeckung des Keltenfürstengrabes im Jahre 1987 weiß: den großen Löwenkessel, Gläser und bemalte Trinkschalen. Oder auch nur neue Haustiere wie Hühner, Enten, Gänse.

Wie gut die Kelten-Handwerker waren, das wird immer deutlicher, je öfter das Landesdenkmalamt rund um den wieder aufgeschütteten Fürstengrabhügel Grabungen vornehmen läßt. Jüngstes Beispiel: Nur einen Steinwurf vom Hügelgrab entfernt neben einem Bauernhof untersuchten im Sommer vergangenen Jahres die Archäologinnen Karen Schmitt und Ute Seidel mit freiwilligen Helfern keltische Grubenhäuser. Dabei fanden sie auch abseits eine Abfallgrube, die Erstaunliches enthielt: Reste eines Schmelzofens, zahlreiche birnenförmige Gußtiegel sowie Tonformen zur Herstellung von Bronzegegenständen, Reste einer Eisenschmiede, Zeugnisse hoher Webkunst.

Für Landeskonservator Jörg Biel steht es außer Frage, daß die keltischen Barbaren'' regen Handel mit ihren Produkten betrieben. Deshalb stand es außer Frage, daß der Handwerkskunst eine Sonderausstellung gewidmet wird. In einem kleinen Raum im hinteren Teil des Keltenmuseums ist sie jetzt zu sehen. Im Mittelpunkt steht ein von Restaurator Horst Röske mit viel Liebe und Sachverstand nachgebauter Töpferofen aus jener Zeit, denn an der Uni Würzburg wurde jetzt analysiert, daß der Ton, aus dem einst die hochklassigen Töpferscherben geformt worden sind, zweifellos aus Hochdorf stammte. In den Vitrinen sind die neuesten Funde - darunter auch Salzgefäße, Schmelztiegel für Recycling von Bronze und Eisen oder Knochennadeln - zu sehen.

Geöffnet ist das Hochdorfer Keltenmuseum jeweils von Dienstag bis Sonntag 9.30 bis 12 Uhr und 13.30 bis 17 Uhr; montags ist geschlossen. Günther Jungnickl