Artikel aus den
Stuttgarter Nachrichten
vom 16.2.2001
Stuttgart



Rinol AG kauft jetzt doch die Villa Levi

Vertrag mit der Stadt notariell besiegelt - Denkmalschutz bleibt letzte Hürde

Das Geschäft der Stadt mit der Rinol AG in Renningen klappt entgegen aller Unkenrufe doch noch. Am Donnerstag wurde der Kaufvertrag für die Villa Levi beim Notar besiegelt. Vor dem Vollzug könnte nur noch der Denkmalschutz zum Stolperstein werden.

VON GERT FACH

Erste Schlagzeilen machte der geplante Verkauf der Villa Max Levi, ein besonderes Baudenkmal im Besitz der Stadt (Feuerbacher Heide), schon im Juli 2000. Nach einer nichtöffentlichen Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Wohnen lüfteten Stadträte das Geheimnis um den Käufer der Immobilie, die früher von der Fachhochschule für Bibliotheks- und Informationswesen belegt war: die Rinol AG mit Sitz in Renningen, ein international tätiges Unternehmen, das sich auf Gewerbe- und Industrieböden spezialisiert hat. Wirtschaftsförderer Joachim Pfeiffer hatte sich darauf versteift, den Sitz dieses Unternehmens mit 50 Leuten nach Stuttgart zu holen. Steuerlich zuzurechnen seien weitere 430 Beschäftigte. So sei es mit den Steuerbehörden besprochen worden. Europaweit sind für Rinol 1850 Leute tätig, in Deutschland 750.

Über Monate hinweg musste Pfeiffer den Gemeinderat wegen des Vollzugs dieses Kaufs vertrösten. Zuletzt waren mehrere Notartermine geplatzt, bis am Donnerstag das Geschäft doch noch besiegelt werden konnte. Uwe Distel, Finanzvorstand der Rinol, hat wenig später im Rathaus bestätigt, dass der volle Kaufpreise von 5,8 Millionen Mark spätestens bei der Übernahme des Besitzes am 31. März fällig wird. Der Käufer geht die Verpflichtung ein, das Gebäude denkmalgerecht zu sanieren. Distel: "Nach einer ersten Besichtigung haben wir keine bestandsgefährdenden Schäden festgestellt.'' Der Sanierungsaufwand mit Park beträgt Millionen. Gespräche mit dem Landesdenkmalamt haben laut Distel jedoch noch nicht stattgefunden.

Die Rinol AG möchte laut Distel so schnell wie möglich an ihren Gründungsort Stuttgart (1956) zurückkehren. Wann dies geschehe, sei nicht vorherzusagen: "2003 wäre uns allerdings zu spät.''

Beide Seiten haben ein Rücktrittsrecht. Dies ist derzeit nur dann vorstellbar, wenn die Stadt das Baurecht für die Nutzung nicht ändern sollte oder sich die Rinol AG mit nicht zu erfüllenden Auflagen des Landesdenkmalamts konfrontiert sähe.

Sollte der Kauf am Ende doch noch platzen, steht mit dem Stuttgarter Unternehmer und privaten Denkmalschützer Peter Seydelmann ein Kaufinteressent bereit. Er hat sein Interesse auf Anfrage bestätigt. Seydelmann hat einen Mieter an der Hand, der weiterhin in die Villa einziehen möchte.

Die Villa nahe der Doggenburg wurde 1920 von den Architekten Hugo Schlösser und Johann Weirether für die Unternehmerfamilie Max Levi gebaut. Die beiden Architekten hatten auch die Villa Reitzenstein, Sitz des Staatsministeriums, geplant.

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